Ich liebe es, zu grillen. Und damit bin ich nicht allein. Drei Viertel der Haushalte in Deutschland grillen regelmäßig (Nielsen-Studie, 2019). Während die einen auf den Kohlegrill schwören, heißen die anderen mit Gas ein oder brutzeln nur auf dem Elektrogrill. Ich habe mir das Thema Grillen in puncto Nachhaltigkeit mal genauer angeschaut. Hat die Wahl des Grills einen Einfluss darauf, wie nachhaltig das Grillen ist? Und was landet am besten auf dem Grill, wenn ich möglichst nachhaltig grillen möchte? Ich gebe dir ein paar Tipps rund um das Thema nachhaltiges Barbecue an die Hand.

Dein Grillgut macht den Unterschied

Wusstest du, dass es aus Sicht der Ökobilanz  kaum einen Unterschied macht, ob du mit Kohle, Grill oder Strom dein Grillgut brutzelst? Laut TÜV Rheinland werden über 90 Prozent der für das Klima relevanten Emissionen durch das Grillgut verursacht. Entscheidend ist also das, was auf dem Grill landet.

Allein knapp 20 Prozent klimaschädlicher Emissionen lassen sich vermeiden, wenn man auf Rindfleisch und Grillkäse verzichtet und stattdessen auf Gemüse, Würstchen oder Schweinefleisch ausweicht.

Zur Einordnung: Rindfleisch weist Emissionen von 2,9 Kilogramm CO2-Äquivalent je 200 Gramm gegrilltem Fleisch auf, Grillkäse 1,9 kg CO2 je 200 Gramm. Gegrillter Mais kommt hingegen gerade mal nur auf 50 Gramm CO2-Emissionen.

Couscous-Salat

Ideen für vegetarischen und veganen Grill-Genuss

Nachhaltig grillen bedeutet also in erster Linie: weniger Fleisch, mehr pflanzliche Alternativen. Schon weniger Fleisch macht viel aus! Es muss gar nicht ein komplett veganes oder vegetarisches Barbecue sein. Doch je mehr pflanzliche Komponenten es gibt, desto nachhaltiger wird das Grillen.

Wenn du doch Fleisch grillen möchtest, dann greife zu Bio-Fleisch, das idealerweise aus deiner Region kommt. Kaufe lieber weniger, dafür in wirklich guter Qualität. Das freut nicht nur die Umwelt, das Fleisch schmeckt auch um Längen besser. Bei Billigfleisch sorgt geschmacksintensive Marinade für den Geschmack. Bei gutem Fleisch in Bio-Qualität kannst du den puren Fleischgeschmack genießen.

vegetarische und vegane Grill-Ideen:

  • Schöpfe aus der Vielfalt an regionalem, saisonalem Gemüse. Zucchini, Aubergine, Maiskolben, Pilze und Paprika eignen sich besonders gut zum Grillen. Du kannst sie entweder direkt auf den Rost legen und später würzen oder sie geschnitten und vorab gewürzt in eine Grillschale geben. Super pikant wird Grillgemüse mit einer Würzmischung aus Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Chili und getrockneten Kräutern.

  • Versuche dich auch mal an pflanzlichen Fleischalternativen. Ob Würstchen, Cevapcici oder Burgerpatties, aus Soja, Erbsenprotein oder Lupinen – das Angebot im Supermarkt ist super groß! Ich habe mich schon durch so einige Produkte probiert und kann dir die veganen Bratwürste von Like Meat empfehlen (unbezahlte Werbung, Empfehlung aus Überzeugung).

  • Du kannst auch super gut Grillspieße aus Tofu und Gemüse machen. Damit der Tofu schön würzig wird, mariniere ihn mindestens zwei Stunden, besser sogar einen Tag lang. Ein einfaches Rezept findest du hier. Die Marinade ist echt der Hammer!

  • Pimpe dein Barbecue mit passenden Beilagen auf. Meine liebsten Beilagen sind ein großer gemischter Salat, Nudelsalat, Quetschkartoffeln mit Kräuter-Topping, frisches Baguette und selbstgemachte Dips.
Marinierter Tofu

Nachhaltig grillen: Auch darauf kommt’s an

  • Grillzubehör: Versuche auf alles zu verzichten, was du nur einmal benutzen kannst. Verwende anstelle von Spießen aus Holz lieber Schaschlikspieße aus Metall. Anstelle von Alu-Folie eignen sich wiederverwendbare Grillschalen aus Edelstahl, Keramik oder mit Emaillebeschichtung.

  • Müll: Versuche, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Das geht schon beim Einkauf los. Greife bevorzugt zu unverpacktem Gemüse und verzichte beim Bäcker auf die Papiertüte, wenn du Baguette kaufst. Wenn du im Park grillst, dann nimm auch hier einen Mehrweg-Grill und keinen Einweg-Grill. Du kannst auch im Bekanntenkreis fragen, ob du dir einen portablen Grill ausleihen kannst. Wenn du nur selten grillst, ist das eine gute Alternative zum eigenen Grill. Zum Transport von Gemüse und Co. eignen sich anstelle von Plastiktüten Dosen und Schraubgläser. Achte zudem darauf, dass du keinen Müll in der Natur hinterlässt.

  • Grillkohle und Grillanzünder: Greife anstelle zu Anzündern mit Paraffin, Kerosin oder Petroleum lieber zu nachhaltigeren Varianten aus natürlichen und/oder nachwachsenden Rohstoffen wie Pappe, Holzfasern oder Holz mit Wachs. Achte bei der Grillkohle darauf, dass sie das FSC-Siegel trägt. Das Holz stammt aus nachhaltiger Waldwirtschaftung und für die Produktion der Holzkohle wurde kein Tropenwald abgeholzt. Wichtig: Eine 100-prozentige Garantie, dass sich nicht doch Holzkohle aus Tropenholz im Sacke befindet, gibt es leider nicht, wie Analysen immer wieder zeigen. Dennoch ist die Holzkohle immer noch die bessere Wahl als jene, die das FSC-Siegel nicht trägt. Es gibt auch Grillkohle mit dem Naturland-Siegel. Das Holz für die Kohle stammt aus ökologischer Waldnutzung aus Deutschland.

  • Holzkohlenasche: Die abgekühlte Asche sollte immer im Restmüll und nicht im Biomüll landen. Denn es können Schwermetalle aus der Luftverschmutzung, die von den Bäumen aufgenommen wurden, enthalten sein. Auch organische Schadstoffe wie Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (⁠PAK⁠) können entstehen, wenn die Kohle nicht vollständig verbrannt wurde. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. [1]

Analyse: Grillfleisch ist billiger als Fleischersatz

Wenn ich im Sommer durch die Straßen Hamburgs gehe, riecht es an jeder Ecke nach Grill. Ich kann die Grilllust vollkommen verstehen, wir schmeißen unseren Grill selbst so oft es geht an. Doch bevor das Barbecue losgehen kann, heißt es erst einmal ab zum Einkaufen. Auf meinem Weg durch den Supermarkt komme ich auch an der Fleischabteilung vorbei. Was mir da immer wieder auffällt, sind die günstigen Preise für Grillfleisch.

Supermärkte locken mit Schnäppchen, Fleisch ist teilweise günstiger als Gemüse. Dazu passt eine aktuelle Analyse des WWF zum Thema Grillprodukte. Zwischen Ende April und Ende Mai 2021 analysierte der WWF 922 Grillfleisch-Angebote in Werbeprospekten von acht deutschen Supermarktketten (56 Prospekte).

– 85 Prozent des rabattierten Grillfleisches war im Schnitt billiger als pflanzliche Alternativen.

– Grillfleischprodukte wurden 30 Mal häufiger beworben als Fleischersatzprodukte.

– Reduzierte Tofuwurst und Sojaburger waren mehr als doppelt so teuer wie reduzierte Schweinefleisch- und Geflügelprodukte. Der Kilopreis für Fleischersatzprodukte lag bei 13,79 Euro, der von Koteletts oder Grillwürstchen (Schwein) bei durchschnittlich 6,36 Euro. Hähnchenschenkel und Putenbrustfilet kosteten im Durchschnitt 6,57 Euro pro Kilo.

– Biofleisch kostet mit im Schnitt rund 10 Euro etwa genauso viel wie Grillkäse und Feta aus konventioneller Produktion. [2]

Geiz ist nicht geil – erst recht nicht bei Fleisch

Aktuell ist Fleisch damit günstiger als klimafreundliche pflanzliche Alternativen. Dass das ein absoluter Fehler im System ist, versteht sich von selbst, oder? Ich selbst esse kein Fleisch, mein Partner schon. Aber auch er als Fleischesser kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Geiß ist geil?! Beim Fleisch sicher nicht! Nun kann man sich darüber streiten, wer hier in der Pflicht ist – die Politik, der Handel, der das Fleisch verramscht oder die Verbraucher, die beim Billigfleisch zugreifen. Ich denke, wir alle sind gefragt. Solch billiges Fleisch darf erst gar nicht angeboten werden. Verbraucher sind aber genauso gefragt. Wer bei Billigfleisch zugreift, zeigt dem Handel, dass die Nachfrage da ist. Und der reagiert mit entsprechendem Angebot.

Quellen:

[1] Umweltbundesamt, Gesund und umweltfreundlich grillen, abgerufen von: https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesund-umweltfreundlich-grillen

[2] WWF Deutschland, Grillsaison ist Billigfleischsaison, abgerufen von: https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/grillsaison-ist-billigfleischsaison

Bildquellen: Kea Antes
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